Qualität in Kitas

DKLK – Studie 2019 und 2020 zur Qualität in Kitas

Autor: Gisela Geist

DKLK-Studie 2019:
Ausgehend vom Deutschen Kita-Leitungs-Kongress im Herbst 2018 wurden  2628 Kita-Leitungen öffentlicher, kirchlicher, privat-gemeinnütziger, privat-nicht gemeinnütziger und sonstiger Träger in ganz Deutschland befragt zur Situation in Kitas.
Befragungszeitraum vom 15.11. bis 21.12. 2018 (14 Fragen online) (1)

Einige Ergebnisse der bundesweiten Umfrage:

Die Umfrage zeigt einen erheblichen Personalmangel in Kitas.
Es wird von „dramatischen und  unhaltbaren Zuständen“ für die ErzieherInnen, wie für die Kinder gesprochen.

90 % der Kitas mussten in den vergangenen 12 Monaten zumindest zeitweise mit einer erheblichen Personalunterdeckung arbeiten.
Bei über 60 % großer Träger sind Arbeitsplätze nicht belegt und es braucht 3 – 6 und mehr Monate zur Nachbesetzung.

Zur Fachkraft-Kind-Relation:
Bei den Unter 3-Jährigen ist die tatsächliche Fachkraft-Kind-Relation (abzüglich der Fehl- und indirekt pädagogischen Arbeits-Zeiten, die im Personalschlüssen nicht berücksichtigt sind) in 96,5% der Fälle schlechter ist als die wissenschaftlich geforderte Zielgröße von 1:3.
Selbst ein Verhältnis von 1:5 wird lediglich nicht einmal von der Hälfte (44,5 %) der Einrichtungen erreicht.
Ca. 20% der Einrichtungen können sogar nur eine Betreuungsrelation von 1:8 oder schlechter vorweisen.
Man stelle sich vor: Eine ErzieherIn für 5, 8 und sogar mehr Säuglinge und Kleinkinder! (Schon mit Zwillingen ist eine Mutter oft überfordert).

Auch bei den 3-6- Jährigenist die Qualität in Kitas besorgniserregend: hier entsprechen fast 80% (78,7 %) der Kitas nicht der empfohlenen Fachkraft-Kind-Relation, sodass eine Fachkraft für mehr als acht Kinder zuständig ist. Es gibt auch durchaus Einrichtungen, in denen regelmäßig eine Fachkraft für 16, 18 oder 20 Kinder zuständig ist.

In 37,7%  der Kitas kommt es sogar zu einer „Extrembelastung“,  wobei es nicht mehr „nur“ um Einschränkungen der Betreuungsqualität, „sondern auch um Sicherheitsrisiken geht, weil eine adäquate Beaufsichtigung nicht mehr gewährleistet werden kann“.

Betreuungsangebot und -Qualität sind durch die aktuelle Personalsituation wesentlich beeinträchtigt.
Die DKLK-Studie spricht von „Minimalbetreuung“, einem nicht zu unterschätzenden Gesundheitsrisiko, von  „Mangelverwaltung statt individueller Förderung“.
Eine ordnungsgemäße Betreuungssituation ist nur selten gegeben.

Zunehmende Bürokratisierung und Regulierung werden zudem als starke Belastung empfunden und gehen auf Kosten der pädagogischen Gestaltungsfreiheit.

Verheerend sind demnach die Konsequenzen:
Ein Großteil der Fachkräfte arbeiten an der Belastungsgrenze.
Gruppen mussten zusammengelegt oder ganz geschlossen, die Öffnungszeiten der Kitas reduziert werden.

Durch Maßnahmen wie die Reduzierung der Ausbildungszeit und durch das Anwerben von QuereinsteigerInnen sei ein Absinken des Qualifikationsniveaus zu befürchten.

Bei der DKLK-Studie 2020 wurden insgesamt 2795 Kitaleitungen in Deutschland befragt. Sie wurde im März 2020 veröffentlicht.
Dabei wurde deutlich, dass sich der Fachkräftemangel im Jahr 2019 weiterhin verschärft hat. Erhöhte Haftungsrisiken werden genannt. „Die Ergebnisse zeigen, dass Personalknappheit in fast jeder Kindertageseinrichtung zumindest zeitweise zu Situationen führt, in denen selbst die Minimalanforderungen an die Aufsichtsführung kaum erfüllt sind. “ (Frage 11).

In 25 % der Kitas kann während eines Großteils der Betreuungszeit die Aufsichtspflicht kaum gewährleistet werden, weil Personal fehlt. 
„In knapp 25 % (!) der Einrichtungen übersteigt der Personalmangel ein akzeptables Maß jedoch so deutlich, dass bei allen Verantwortlichen die Alarmglocken läuten müssten“.

69% bezeichnen die Arbeitsbelastung sogar als akut gesundheitsgefährdend.
63% bezeichnen den Einsatz des Guten-Kita-Gesetz-Geldes als falsch eingesetzt.

Auf Fort- und Weiterbildung mussten 75% der ErzieherInnen verzichten wegen Personalmangel. Das gehe auf Kosten von Motivation und Qualität.
Die Befragten warnen weiter vor den Auswirkungen, die Einsparungen bei der Qualität der Ausbildung mit sich brächten. Es gehe um De-Professionalisierung in der Kindertagesbetreuung durch die  geplante, verkürzte  Fachassistent/innen-Ausbildung, statt um mehr Professionalisierung.

Diese Ergebnisse sprechen für sich:
Wie soll eine überlastete, gestresste Erzieherin  auch noch individuell und möglichst mit Geduld und Liebe auf so viele Säuglinge und Kleinkinder angemessen eingehen können?
Nicht umsonst wird in der Studie von bloßer Verwahrung der Kinder, von Mangelverwaltung,  und sogar von Gesundheits- und Sicherheitsrisiken gesprochen.

Allein mit mehr Geld lässt sich die tief klaffende Personallücke nicht schließen, denn es besteht ein eklatanter Fachkräftemangel“ (siehe die nächste Studie)

DJI-Studie (2017)
Bisher gibt es keine verlässliche Perspektive für eine Lösung des massiven Erzieher*innen- Mangels.
Nach einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) mit der TU Dortmund4 wird es bis 2025, selbst ohne Qualitätsverbesserungen, voraussichtlich eine Personallücke von insgesamt fast 330 000 Erzieher*innen geben. Wenn Qualitätsverbesserungen eingerechnet werden, wäre es sogar eine Personallücke von insgesamt ca. 600 000 Erzieher*innen. Wörtlich heißt es in der Studie: „… Es wären fast genauso viele, wie es heute schon gibt (…) eine Größenordnung, die unter den heutigen Rahmenbedingungen nicht wirklich vorstellbar ist.“

Quellenverzeichnis

  1. DKLK-Studie 2019 und 2020: 
    DKLK-Studie 2019 und 2020 sind Umfragen von Wolters Kluwer Deutschland in Kooperation mit dem Verband Bildung und Erziehung (VBE), dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), dem VBE Baden-Württemberg und dem VBE NRW. Wissenschaftliche Begleitung Prof. Dr. Ralf Haderlein, Hochschule Koblenz, Fachbereich Sozialwissenschaften. Erstveröffentlichung 27.03.19 und 05.03.2020
  2. DJI-Studie (2017) Studie des Deutschen Jugend-Instituts (DJI) mit der TU Dortmund, ISBN 978-3-9818832-1-3.
    Autorschaft:
    Dr. Matthias Schilling
    Dr. Christiane Meiner-Teubner
    TU Dortmund. Fakultät 12 Forschungsverbund DJI/TU Dortmund Vogelpothsweg 78
    44227 Dortmund matthias.schilling@tu-dortmund.de christiane.meiner@tu-dortmund.de
    Thomas Rauschenbach, Matthias Schilling, Christiane Meiner-Teubner: ISBN 978-3-9818832-1-3